Link verschicken   Druckansicht öffnen
 

Thorner Lebenstropfen ausführliche Geschichte

Thorner Lebenstropfen, ©Stephan Becker, Brüssow

Historisches zu Thorner Lebenstropfen:

Nach dem heutigen Forschungsstand sind die Thorner Lebenstropfen eine Erfindung des ehemals in Thorn ansässigen Likörfabrikanten und Kaufmanns Wilhelm Tietzen aus dem Jahre 1826.

Dieser hatte sein Geschäft in der Zeit von 1821 bis 1836 am Altstädter Markt 151 „im Türken“. Dabei handelt es sich um das Haus, welches auch unter der Adresse Altstädtischer Markt 5 (heute Rynek Staromiejski 5) bezeichnet wurde. Dieses Haus befindet sich genau neben dem berühmten Artushof (Hausnummer 6) und der ehemaligen Adler-Apotheke (Hausnummer 4) und hat eine bewegte Geschichte (siehe auch: http://www.turystyka.torun.pl/art/654/kamienica-pod-turkiem-rynek-staromiejski-5.html) Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit hat der damalige Apotheker dem Likörfabrikanten Wilhelm Tietzen bei der Kreation der Thorner Lebenstropfen geholfen oder ihm eine ursprünglich als Arzneimittel kreierte Rezeptur überlassen.

Ab dem 01.12.1835 verlegte Tietzen sein Geschäft in den „goldenen Adler“, Altstädter Markt 434, später Altstädtischer Markt 32 (heute Rynek Staromiejski 34). Tietzen veröffentlichte regelmäßig Preis-Courants (Preislisten) in verschiedenen Amtsblättern und Zeitungen. Das erste Mal tauchen die Thorner Lebenstropfen in einer Preisliste vom 16.12.1826 auf – in vorherigen fehlten sie. Somit ist als Erfindungsjahr wohl das Jahr 1826 sehr wahrscheinlich. Auch vor diesem Zeitpunkt fehlen schriftliche Nachrichten über Thorner Lebenstropfen.

Wilhelm Tietzen betrieb unter beiden genannten Adressen eine Handlung für Materialwaren, Farbwaren, Wein, Branntwein, Tabak, Feinkost, Chocolade, eine Destillationsanstalt und eine Liqueurfabrik. Das Geschäft ging in die spätere Handlung Dammann & Kordes über, welche im Jahre 1837 gegründet wurde. Diese wurde erweitert auf die Häuser Altstädter Markt 433/34, später Altstädtischer Markt 32/33 (heute Rynek Staromiejski 32, 33 & 34).

Thorn Gesamtansicht, ©Stephan Becker, Brüssow
Thorn, Altstädtischer Markt Ecke Breite Straße, ©Stephan Becker, Brüssow
Thorn humoristische Ansichtskarte von 1899, ©Stephan Becker, Brüssow

Mitte der 1860-er Jahre gab es viele Geschäftsneugründungen in Thorn, so dass neben den beiden Hauptproduzenten der Thorner Lebenstropfen (Dammann & Kordes, sowie J. G. Adolph) noch weitere Destillationsbetriebe eröffneten, die auf der Erfolgswelle mitschwimmen wollten. So gab es zum Beispiel im Jahre 1869 sieben Destillateure, die alle dieses Getränk herstellten und verkauften. Als wichtige neue Hersteller sind unter anderem die Firmen S. Blum, Culmerstraße 308 (errichtet 1868), Marcus Henius, Altstädtischer Markt 151 (errichtet 1863), Carl Matthes, Butterstraße 94 (errichtet 1873) und Wolf Sultan, Breitestraße 451 (errichtet 1858) zu nennen.

Es dauerte nicht lange, bis auch in den näheren deutschen Städten wie Bromberg, Graudenz, Danzig und Elbing verschiedene Firmen die Thorner Lebenstropfen herstellten. Aus diesem Grunde gab es einige Hersteller, die ihrem Getränk einen weiteren Markennamen gaben, um sich von den übrigen Herstellern abgrenzen zu können. Zum Beispiel hießen die Thorner Lebenstropfen der Firma Dammann & Kordes nach 1900 ELDAKO® Thorner Lebenstropfen – bei der Firma J.G. Adolph aus der Breitenstraße 25 hießen sie IGEA Thorner Lebenstropfen.

 

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Thorner Lebenstropfen von vielen unterschiedlichen Herstellern angeboten und erlangten aufgrund vieler internationaler Prämierungen deutschlandweite Bekanntheit.

Im Jahre 1864 werden die Thorner Lebenstropfen als nennenswerter Exportartikel in der preußischen Statistik beschrieben – sie waren als Arzneimittel speziell gegen Cholera auf vielen Überseefahrten zu den deutschen Kolonien in der Standardausstattung der Bordärzte dabei.

Auch laut Jahresbericht der Handelskammer Thorn erfreuen sie sich auch weit außerhalb Thorns großer Beliebtheit.

In den Jahren 1867 und 1873 werden sie auf den Weltausstellungen in Paris und Wien prämiert und sind in vielen Veröffentlichungen als gut wirksames Arzneimittel gegen Magenbeschwerden, Zahnschmerzen und als Gegengift (Antidot) aufgeführt. Um 1890 findet man die Thorner Lebenstropfen in den Zeitschriften für Medizinalbeamte, in den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes und im Jahrbuch der Medizin.

In der Zeit von 1850 bis 1945 wurden Thorner Lebenstropfen von vielen unterschiedlichen Herstellern in der ganzen Region Westpreußen und auch überregional hergestellt und angeboten.

 

Die Thorner Lebenstropfen wurden auch von verschiedenen Ärzten bei Magen- und Darmkrankheiten verordnet und auch in unzähligen Anzeigen beworben. Hier ist z.B. der Text einer Anzeige aus dem Jahre 1848:

„sie sind appetitanregend, Verdauung fördernd, Leibesöffnungen befördernd, ein Präservativ gegen die Cholera und sie versprechen Hilfe, wenn sich jemand durch zu starken Genuß berauschender Getränke unwohl befinden sollte“.

 

Thorn, Altstädtischer Markt mit Coppernicus-Denkmal, ©Stephan Becker, Brüssow
Thorn, Altstädtischer Markt mit Artushof, ©Stephan Becker, Brüssow
Thorn, Seglerstraße mit Johanniskirche, ©Stephan Becker, Brüssow

In weiter entfernten Regionen des Landes wurden die Thorner Lebenstropfen sogar als Geheimmittel angepriesen. Vor 1890 war es in Deutschland üblich, dass eine große Anzahl von verschiedenen Wässern, Pulvern, Salzen, Pillen, Salben, Tropfen usw. von unterschiedlichen Personen und Firmen als Geheimmittel angeboten wurden. Es wurden außerdem in dieser Zeit viele Bücher zur Geheimmittellehre herausgebracht.

Am 30.06.1887 veröffentlichte das Polizeipräsidium Berlin eine Verordnung, nach der die öffentliche Ankündigung und das Anpreisen solcher Geheimmittel ab sofort untersagt wurde. Am 29.12.1890 wurde eine Liste veröffentlicht, in der viele damals angepriesene Spezialitäten auf Veranlassung der Behörden in den Jahren 1886 - 1888 auf ihre Zusammensetzung hin untersucht wurden. Das Ergebnis der als Geheimmittel verkauften Thorner Lebenstropfen ergab, dass es sich dabei um einen Magenlikör beziehungsweise Magenbitter handelte.

 

In einer interessanten Beschreibung über den berühmten Thorner Artushof, welcher im Jahre 1310 errichtet wurde und wegen Baufälligkeit im Jahre 1802 abgerissen wurde, spielten die Thorner Lebenstropfen eine besondere Rolle bei dessen Wiederaufbau. „Die bauliche Ausführung war anfangs infolge des überaus schlechten Baugrundes schwierig und zeitraubend. Es fanden sich nämlich nicht weniger als 22 Stück zum Theil Jahrhunderte alte Abortgruben in Holz abgetäuft bis zu Tiefen von 20m unter Erdoberfläche vor, alle gefüllt mit Fäkalresten aller Zeiten, von verschiedener Farbe und Konsistenz. Ihre Entleerung und der Ersatz durch Betonpfeiler verursachten erhebliche Kosten und Zeitverlust. Zur Überwindung des Ekels bei den an Seilen hinab gelassenen Arbeitern taten die bekannten Thorner Lebenstropfen ihre anfeuernde Wirkung!“

 

Bis 1920 betrug der deutsche Bevölkerungsanteil im westpreußischen Thorn 67%. Alle Herstellerfirmen von Thorner Lebenstropfen waren ausschließlich deutscher Abstammung. Nach der Abtretung Thorns an die Zweite Polnische Republik im Jahre 1920 sank der deutsche Bevölkerungsanteil bis 1939 auf unter 4%. Aufgrund der starken Polonisierung verließen nahezu sämtliche Firmeninhaber die Stadt und schlossen oder verkauften Ihre Betriebe an nachrückende Polen, welche teilweise an die Erfolge der Erstbesitzer anzuknüpfen versuchten. Zum Beispiel wurde die berühmte Firma Wolf Sultan & Co, Breite Straße 24 vom damaligen Besitzer Eugen Barnaß, welcher nach Deutschland auswandern wollte, an den Polen Wazlaw Mackowiak verkauft, welcher das Geschäft mit nur mäßigem Erfolg bis 1940 weiter betrieb.

Die ehemaligen Firmeninhaber und Firmengründer verteilten sich nun über ganz Deutschland und nahmen schnell die Produktion in neu gegründeten Firmen wieder auf. Dies ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass die Thorner Lebenstropfen nun deutschlandweit hergestellt wurden und ein Erfolgsprodukt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert wurden.

Das Rezept der Thorner Lebenstropfen wurde von den verschiedenen Herstellern teilweise leicht variiert. Jedoch es in seiner Hauptzusammensetzung bei allen in historischen Büchern ab 1850 abgedruckten Rezepturen identisch.

Hersteller von Thorner Lebenstropfen in Thorn

 

(1) J.G. Adolph:

  • Geschäftsort: 1809 – 1903 in der Friedrich-Wilhelm-Strasse 52 (= Breitestrasse 52 = Breitestrasse 25 = heute Ul. Szeroka 25) – Fernsprecher 50 – eingetragen im Thorner Firmenregister Nr. 28 – dieses Haus wurde 1815 neu erbaut / Fabrik in Thorn-Mocker, Lindenstrasse M55/259 (= Lindenstrasse 73 = heute Lipowa 73 = Ul. Kosciuszki 85)
  • Geschäftsfelder: Delikatessenhandlung, Weinhandlung, Dampfliqueurfabrik in Thorn Mocker, Wein-& Frühstücksstuben, Spezialfabrik für feine Tafelliqueure, Kolonalwaren, Feinkosthandlung, Spezialgeschäft für Wild, Wildgeflügel & Fisch, Versicherungsagentur Feuerversicherungen, Agent der Lebensversicherungsbank für Deutschland in Gotha, Schnupftabakhersteller (Nessing Schnupftabak), Zigarren, Lebkuchen, Materialwaren, Moselweine
  • Liköre: IGEA® Thorner Lebenstropfen, feine Tafelliköre
  • Inhaber: 1809 – ca. 1863 Johann Gottlieb Adolph, ca. 1864 – ca. 1875 Sohn Hermann Adolph (Kaufmann & Kommerzienrat), ca. 1875 – ca. 1890 Hermann Adolph & Konrad Adolph (Kaufmann), ca. 1904 – ca. 1905 Hedwig Adolph, ca. 1906 – ca. 1920 Alfred Zeep, Nov. 1921 – 1922 Stanislaw Strzelecki, ab 1922 Adam Barskis "Switez" (Hersteller von Harz-, Kokos-, Medizin- und Toilettenseifen) – baldige Beendigung der Produktion
  • Geschichtliches zur Firma Adolph: Februar 1841: Seine Majestät der König haben dem Kaufmann Adolph zu Thorn den Titel Kommerzien-Rath allergnädigst zu verleihen und das für denselben ausgefertigte Patent allerhöchstselbst zu vollziehen geruhet (Amtsblatt Marienwerder Nr 11, 12.03.1841) / 1851 ist Johann Gottlieb Adolph einer der reichsten Männer der Stadt (1700 Thaler Jahreseinkommen) / 06.08.1864 Kaufmann Hermann Adolph ermächtigt seine Ehefrau Laura Adolph geb. Henning ab diesem Tage die Firma J. G. Adolph per Prokura zu zeichnen. 1900 Errichtung eines neuen Fabrikgebäudes in der Straße Lipowa 73 = Lindenstraße 73 = Kosciuszki 85
Werbeanzeige der Firma Adolph, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Adolph, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(2) Isidor Bluhm:

  • Geschäftsort: ? - 1866 am Altstädter Markt 289 (= Altstädtischer Markt 15 = heute Rynek Staromiejski 34), 1869 – ca. 1900 Culmerstrasse 308 (= Culmerstrasse 7 = heute Ul. Chelminska 9) – eingetragen im Thorner Firmenregister Nr. 321 & Nr. 11
  • Geschäftsfelder: Liqueurfabrik, Spirituosenhandel, Dampfdestillation, Essigherstellung, später Holzhandel
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, Rum- & Essigspritfabrik, feinste französische & holländische Liqueure (z.B. Benedictine, Chartreuse verte & jaune, Maraschino di Zara, Aya Pana), Essigfabrikate, Wein- & Fruchtessig / Laut Selbstauskunft in der Werbung sei die Fabrik Bluhm eine der größten Westpreußens und so ist es ihm möglich Aufträge in jeder Quantität und zu günstigsten Preisen zu beliefern
  • Inhaber: ? - ca. 1875 Isidor Bluhm (Kaufmann), ca. 1875 – ca. 1900 Sohn Salomon Bluhm (Kaufmann)
  • Nachfolger: Hugo Hesse
AK Culmerstraße 308, Geschäft der Firma Bluhm, ©Stephan Becker, Brüssow
Werbeanzeige der Firma Bluhm, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
AK Culmerstraße 308, Geschäft der Firma Bluhm, ©Stephan Becker, Brüssow

(3) L. Borchardt & Co:

  • Geschäftsort: ca. 1840 – 1868 „im Türken“, Altstädter Markt 151 (= Altstädtischer Markt 5 = heute Rynek Staromiejski 5) - eingetragen beim Kreisgericht Thorn als Handlungsgesellschaft unter der Nr. 4 – dort wo ehemals Wilhelm Tietzen seine Likörfabrik hatte, 1868 – ca. 1876 Altstädter Markt 430, ca. 1877 – ca. 1890 St. Annenstrasse 183/184 & Geschäft in der Butterstrasse 144, ca. 1890 - ca. 1917 Coppernikusstrasse 5 – Fernsprecher 87
  • Geschäftsfelder: Destillateur, Weinhandlung, Großhandel, Commissionshandel, Spedition
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen
  • Inhaber: ca. 1840 – ca. 1880 Louis Borchardt (Kaufmann), seit 1840 Mitglied der Johannis-Loge zum Bienenkorb, ab 1880 zusätzlich der Sohn Paul Borchardt, auch Mitglied der Johannis-Loge zum Bienenkorb
  • Nachfolger: Marcus Henius
  • Bild: eine sehr seltene Flasche Thorner Lebenstropfen der Firma Louis Borchardt können Sie hier sehen.

 

(4) Ferdinand Braun:

  • Geschäftsort: 1867 – 1876 in der Butterstrasse 94 (= Seglerstrasse 94 = Seglerstrasse 26 = heute Ul. Zeglarska 22) - eigetragen im Firmenregister Thorn Nr. 334
  • Geschäftsfelder: Kaufmann & Destillateur
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen
  • Inhaber: Heimbert Ferdinand Braun (Kaufmann)
  • Nachfolger: Carl Matthes

 

(5) Gebr. Casper:

  • Geschäftsort: ca. 1890 – ca. 1900 in der Gerechtestrasse 15/17, ca. 1900 – ca. 1915 in der Seglerstrasse 24 – Fernsprecher 253, ab 1897 eingetragen als Handelsgesellschaft
  • Geschäftsfelder: Destillateur, Fabrik feiner Liqueure und Crèmes, Wein- & Cigarrenhandlung, , billigste Bezugsquelle für alle Sorten Wein, Rum, Cognac, Zigarren & Zigaretten
  • Liköre: feine Liqueure und Crèmes, Spezialitäten: Magendiener, Südwester, Thorner Lebenstropfen, Weinhandlung, billigste Bezugsquelle für alle Sorten Wein, Rum, Cognac
  • Inhaber: 1884 war Adolph Casper Buchhalter bei der Likörfabrik Hirschfeld, ca. 1890 – 1892 Adolph Casper (Kaufmann), ab 1892 Adolph Casper (Kaufmann) & Charles Casper, ab 1897 zusätzlich H. Casper (Kaufmann) / Charles Casper war 1908 zusätzlich als Kaufmann in Berlin tätig
  • Nachfolger: Mendel & Pommer
Werbeanzeige der Firma Casper, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Casper, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(6) Dammann & Kordes (ehemals Wilhelm Tietzen):

  • Geschäftsort: 1837 – 1944 in „goldenen Adler“ Altstädter Markt 433/34 (Altstädtischer Markt 32 = heute Rynek Staromiejski 34) – Fernsprecher 51, ab 1912 auch noch Altstädtischer Markt 30 / 1903 Weinstube an Altstädtischen Markt 3 / 1909 Weinhandlung im Artushof / Zweiggeschäft in der Schulstraße 19 / vor 1866 Baderstraße 62 (=Baderstraße 16 = heute Lazienna 16) Comtoirgeväude, Speicher und Weinteilungslager / Weingroßhandlungen und Weinstuben in Posen Breslau, Bromberg
  • Geschäftsfelder: Delikatessenhandlung, Materialwarenhandlung, Zigarrenhandlung, Weingroßhandlung, Kolonialwaren, Likörfabrik, Destillation, Branntweine, Liköre, Bitter, Punsche, Spirituosengroßhandlung, Lieferung nach ganz Polen, Russland, Direktbezug von Weinen aus Frankreich, Spanien, Ungarn und aus dem Rheingebiet. Inkassogeschäft in Thorn, Magenbittern-, Liqueur- & Essenzenfabrik, Versicherungsmakler: Agent der Berliner Hagel-Assekuranz-Gesellschaft, Inkassogeschäft
  • Liköre: ELDAKO® Thorner Lebenstropfen seit 1837, Thorner Schwedische Tropfen „in sanitatem“, Thorner Kräuteraquavit, Thorner Kräuterlebenswasser grün, Thorner Kräuterlebenswasser braun, Kujawische Magenessenz, Cholera-Aquavit, Alpenkräuter Magenbitter, Curacao-Liqueur, Puschessenzen, Grogessenzen, Kräuterbitter „Füsilier Kutschke“, Maraschino, Ingber, Imperial-Punsch, Creme de Mocca, Magen-Ingwer-Wein-Liqueur, verschiedene Punsch- & Grog-Essenzen
  • Thorner Lebenstropfen: ELDAKO® Thorner Lebenstropfen, Thorner Lebenswasser grün & Thorner Lebenswasser braun kosteten 1875 5,50 Mark (ein Arbeiter verdiente ca. 20 Mark pro Tag bei 12 Stunden Arbeit)
  • Spezielles: Die Thorner Lebenstropfen wurden empfohlen durch verschiedene ärztliche Atteste & wurden auch prämiert auf den Weltausstellungen in Paris 1867 (goldene Medaille), in Wien 1873 (Anerkennungsdiplom), auf der Provinzialausstellung Königsberg 1875 (goldene Medaille) und auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876 wegen ihrer Güte, Reinheit und Preiswürdigkeit
  • Inhaber: Ab 1837 Ludwig Dammann & Friedrich Kordes als Inhaber der Dammann & Kordes Handlungsgesellschaft, eingetragen unter der Nr. 12 im Thorner Handelsregister. Ludwig Dammann starb vor 1866 (wahrscheinlich 1862) und Friedrich Kordes, welcher auch Thorner Stadtrat, Königlicher Commerzienrat und Präfis der Handelskammer Thorn war, starb am 10.12.1857 an einem Schlaganfall, da sein Geschäft aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise in Insolvenz gehen muss. 1858 erfolgt eine sofortige Neueröffnung des Geschäftes in den gleichen Geschäftsräumen durch den Sohn Albert Kordes und die Ernennung eines Geschäftsführers (Robert Appold) ab dem 07.06.1862. 1912 wurde der Sohn Fritz Kordes Mitinhaber der Geschäfte und vor 1919 bis 1944 waren Friedrich (Fritz) & Wilhelm (Willi) Kordes Inhaber der Häuser und der Geschäfte.
  • Geschichtliches zu Dammann & Kordes: Die Firma Dammann & Kordes als größter Hersteller dieses Getränkes wurde, wie oben schon gesagt von Herrn Ludwig Dammann und dem Thorner Stadtrat, Königlichen Commerzienrat und Präfis der Handelskammer Thorn Herrn Friedrich Kordes im Jahre 1837 gegründet und war angesiedelt am Altstädtischen Markt 433/434. Nachdem der Gründer Ludwig Dammann vor 1866 gestorben war, wurde die Firma durch den Kompagnon Friedrich Kordes weitergeführt, bis auch dieser im Jahre 1857 an einem Schlaganfall in seinem Bett starb, wenige Minuten nachdem er von der Insolvenz einer der besten und größten Berliner Weinhandlung der Gebrüder Palmié erfahren hatte. Kordes hatte, wie viele andere Leute, größere Mengen Geld in die Firma Palmié investiert, welche nun im Zuge der Wirtschaftskrise nun mit über 1 Millionen Thaler insolvent wurde. Deutschlandweit kam es außerdem zu einigen Selbstmorden bedeutender Geschäftsmänner, die alle finanziell mit dem Hause Palmié verstrickt waren. Nach dem Tode von Friedrich Kordes wurde der in Thorn geachtete Kaufmann Adolph Feldtkeller aus der Culmer Straße 345/346 zum Prokuristen von Dammann & Kordes ernannt. Durch seine exzellente Geschäftsführung gelang es ihm das Geschäft aus der Krise zu führen. 1871 hatte die Firma 28 Angestellte und produzierte 180.000 L Alkohol pro Jahr.
  • Weitere Photos: betrachten Sie hier weitere Bilder zur Likörfabrik Dammann & Kordes (Flaschen, Logos, Postkarten usw.)
Werbemarke der Firma Dammann & Kordes, ©Stephan Becker, Brüssow
Werbneanzeige der Firma Dammann & Kordes, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Dammann & Kordes, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(7) Hugo Eromin:

  • Geschäftsort: ca. 1890 – ca. 1895 in der Mellienstrasse 66 (Schankwirtschaft), ca. 1895 – ca. 1899 Mellienstraße 81 (Schankwirtschaft), ca. 1900 – ca. 1918 Elisabethstrasse 14 – Fernsprecher 376, ca. 1915 – ca. 1919 Neustädtischer Markt 20 im Hause des Kaufmanns Siedrung
  • Geschäftsfelder: ca. 1890 – ca. 1899 nur Schankwirtschaft, ab ca. 1900 Colonialwaren, Wein- & Delikatessenhandlung, Liqueurfabrik, Lager von echtem Jamiaka-Rum, Arac & Cognac, Materialwaren
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen
  • Inhaber: ca. 1890 – ca. 1915 Hugo Eromin (Kaufmann & Schankwirt), ab ca. 1915 – ca. 1919 Magdalena Eromin (Wittwe)

 

(8) Marcus Henius GmbH (ehemals L. Borchardt & Co):

  • Geschäftsort: 1863 kaufte der jüdische Kaufmann Marcus Henius das Haus „zum Türken“ am Altstädter Markt 151 (= Altstädtischer Markt 5 = heute Rynek Staromiejski 5) vom Kaufmann Louis Borchardt und gestaltete die Fassade des Hauses so um, dass mittelalterliche Stilmerkmalen insbesondere der mittelalterliche Stuck abgebaut wurde. Der Umbau dauerte von 1863 bis 1868. Im Jahre 1868 gründete er dann die Likörfabrik Marcus Henius, welche später in eine GmbH umgewandelt wurde. Die Firma Marcus Henius existierte von 1868 – 1919 unter dieser Adresse – Fernsprecher 112.
  • Geschäftsfelder: Sprit & Liqueurfabrik, Dampfdestillation, Fabrik feiner Liqueure, Lager von echtem Rum, Arrac & Cognac, Gaststätte in den Nebengebäuden
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, Schottdorf (Weinliqueur), Allasch (russischer Kümmel), Cherrybrandy, Korn, Wodka
  • Inhaber: 1868 – 1892 Marcus Henius (er stirbt 1892), 1892 – 1919 Cäcilie Henius (Wittwe) – ab ca. 1905 GmbH.
  • Spezielles: Das Haus gehörte im Mittelalter der Patrizierfamilie Schottdorf bzw. auch von Schottdorf. Die Familie war auch im Weingeschäft tätig.
  • Weitere Photos: betrachten Sie hier weitere Bilder zur Likörfabrik Marcus Henius (Flaschen, Logos, Postkarten usw.)
Werbeanzeige der Firma Marcus Henius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Logo der Firma Marcus Henius, ©Stephan Becker, Brüssow
Werbeanzeig der Firma Marus Henius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(9) Dr. Herzfeld & Lissner:

  • Geschäftsort: 1893 – 1919 in der Lindenstrasse 44, Thorn-Mocker – Fernsprecher 298, Dr. Herzfeld Fabrik zur Herstellung von äth. Ölen, Essenzen, Säften usw. / 1893 – ca. 1905 in der Gerechtestrasse 18/20 Eduard Lissner, Destillation
  • Geschäftsfelder: Dr. Herzfeld: Fabrikation von ätherischen Ölen, Essenzen, Fruchtsäften, flüssiger Raffinade und Kunsthonig – Fabrik und Lager von Parfümerien und verwandten Artikeln / Eduard Lissner: Destillation, Herstellung von Likören, Agentur
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen seit 1893, feine Liqueure
  • Thorner Lebenstropfen: Prämiert auf den Ausstellungen 1869 in Altona, 1875 in Königsberg & 1880 in Graz (Österr.). 1893 wird auf der Rückseite des Etikettes von den beiden in Thorn ansässigen Ärzten Dr Gimkiewicz & Dr Jaworowicz die Wirksamkeit der Thorner Lebenstropfen betsätigt.
  • Inhaber: 1893 – ca. 1896 Dr. phil. Wilhelm Herzfeld (Fabrikbesitzer), ca. 1896 – 1919 Charlotte Herzfeld (Wittwe) / 1893 – 1919 Eduard Lissner (Kaufmann)
  • Spezielles: In historischer Literatur gab es eigentlich keine Firma unter dem Namen Dr. Herzfeld & Lissner, nur zwei getrennte Firmen. Es ist wahrscheinlich, dass nur die Thorner Lebenstropfen ein Gemeinschaftsprojekt der beiden war, sie aber sonst getrennt gearbeitet haben.
Etikett Thorner Lebenstropfen Vorderseite, ©Stephan Becker, Brüssow
Etikett Thorner Lebenstropfen Rückseite, ©Stephan Becker, Brüssow
Werbeanzeige der Firma Dr. Herzfeld, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(10) Hugo Hesse & Co (ehemals Isidor Bluhm):

  • Geschäftsort: ca. 1877 – 1919 in der Culmerstrasse 308 (= Culmerstrasse 7 = heute Ul. Chelminska =Nr. 9) – Fernsprecher 275
  • Geschäftsfelder: Liqueurfabrik „Unterm Lachs“, Essig- & Spritfabrik , Kolonialwaren
  • Liköre: Spezialitäten: Thorner Lebenstropfen, Ingwer-Magenwein, Braunschweiger
  • Inhaber: ca. 1877 – 1903 Hugo Hesse (Kaufmann), ca. 1903 – 1919 Clara Hesse (Wittwe)
  • Weitere Photos:  hier können Sie eine alte Flasche der Likörfabrik Hugo Hesse & Co sehen
Culmerstraße 7, Geschäft der Firma Hugo Hesse, ©Stephan Becker, Brüssow
Werbeanzeige der Firma Hesse, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Culmerstraße 7, Geschäft der Firma Hugo Hesse, ©Stephan Becker, Brüssow

(11) Gerson Hirschfeld:

  • Geschäftsort: 1848 – ca. 1925 in der Culmerstrasse 343/344 (= Culmerstrasse 6/8 = heute Ul. Chelminska =Nr 6 & 8) – Fernsprecher 150, Telegramm: Hirschfeld Spritfabrik Thorn – eingetragen in Thorner Firmenregister Nr: 33 & 76
  • Geschäftsfelder: Feinkostgeschäft, ältestes Spezialgeschäft am Platze, Sprit & Likörfarbik „unterm Bienenkorb“, Branntweinfabrik im Dampfbetrieb
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen seit 1848, Thorner Pommeranzen, Specialitäten: Eisallasch, Bitter Pomeranzen, Eckau 00, Südwester Tafelliqueur, IngberMagenwein, großes Lager in französischen und deutschen Cognacs, ächten Jamaika-Rums, Batavia Arracs, Fruchtsäften, einfachen und zusammengesetzen Liqueuren, Pusch-, Glühwein und Grogessenzen, sowie Frucht-Limonaden-Syrups
  • Thorner Lebenstropfen: prämiert Königsberg 1875 silberne Medaille / Bromberg 1880 silberne Medaille / Graz (Österr.) 1890 Ausstellungs-Medaille / Weltausstellung Melbourne 1881 sieben Preise
  • Gutachten: Ärztliches Attest für die Thorner Lebenstropfen: Auf Veranlassung der Liqueurfabrik des Herrn G. Hirschfeld habe ich die daselbst fabricirten „Thorner Lebenstropfen“ nach ihren einzelnen Bestandtheilen hin eingehend geprüft und contratirt, daß dieselben aus heilsamen und unverfälschten Pflanzenextractivstoffen, welche die Verdauung anregen und dabei dem menschlichen Organismus absolut nicht schädlich sind; und aus einem rectifizirten, fuselfreien Spiritus hergestellt werden. Dies wird hiermit als der Wahrheit gemäß attestirt. Thorn, den 11. März 1861. Der Königl. Kreis-Physikus, Sanitäts-Rath Dr. Weese
  • Inhaber: 1848 – ca. 1875 Gerson Hirschfeld (Kaufmann & Mitglied der Johannis-Loge zum Bienenkorb), ca. 1875 - 1880 J. Hirschfeld (Wittwe), Dr. J. Hirschfeld, L. Hirschfeld & R. Hirschfeld, 1880 – 1884 Nathan Hirschfeld & S. Hirschfeld, 1884 – ca. 1895 Nathan Hirschfeld & Leopold Hirschfeld, ab 1892 heißt die Firma Thorner Spritfabrik, ca. 1895 – 1919 Leopold Hirschfeld, nach 1919 – ca. 1925 Lucien Hirschfeld
  • Weitere Photos: betrachten Sie hier weitere Bilder zur Likörfabrik Gerson Hirschfeld (Flaschen, Logos, Postkarten usw.)
Werbeanzeige der Firma Hirschfeld, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Hirschfeld, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Hirschfeld, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(12) Louis Horstig :

  • Geschäftsort: ca. 1830 – ca. 1875 in der Seglerstrasse 139 (= Seglerstrasse 15 = heute Ul. Zeglarska 15) – eingetragen im Firmenregister Nr. 142
  • Geschäftsfelder: Destillation
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure
  • Inhaber: ca. 1830 – ca. 1875 Louis Horstig (Kaufmann & Destillateur), Mitglied der Johannis-Loge zum Bienekorb

 

(13) Eduard Kohnert:

  • Geschäftsort: ca. 1895 – ca. 1925 in der Windstrasse 5 (Ecke Bäckerstrasse) – Fernsprecher 238
  • Geschäftsfelder: Kolonialwaren, Destillation, Ausschank, Weinhandel, Cigarren
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure
  • Inhaber: Eduard Kohnert (Kaufmann)

 

(14) Ludwig Latté:

  • Geschäftsort: ca. 1882 – ca. 1890 in der Brückenstrasse 20 & Gerechtestrasse 102 (= Gerechtestrasse 18/20 = heute Ul. Prosta 18/20) – eingetragen im Thorner Firmenregister Nr. 121
  • Geschäftsfelder: Destillation, Spritfabrik
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure
  • Inhaber: Ludwig Latté (Kaufmann)
  • Bild: Eine sehr seltene Flasche Thorner Lebenstropfen der Firma Ludwig Latté können Sie hier sehen.

 

(15) Robert Liebchen:

  • Geschäftsort: ca. 1895 – 1919 Neustädtischer Markt 26 – Fernsprecher 277
  • Geschäftsfelder: Kolonialwaren, Destillation, Ausschank, Weinhandel, Cigarren, Schankwirtschaft, Materialwaren
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen
  • Inhaber: ca. 1895 – ca. 1905 Robert Liebchen (Kaufmann), ca. 1905 – 1912 Otto Liebchen (Kaufmann), 1912 – 1919 Max Liebchen (Kaufmann)
Geschäft von Robert Liebchen am Neustädtischen Markt, ©Stephan Becker, Brüssow
Geschäft von Robert Liebchen am Neustädtischen Markt, ©Stephan Becker, Brüssow

(16) Carl Matthes (ehemals Ferdinand Braun):

  • Geschäftsort: 1876 - 1919 in der Butterstrasse 94 (= Seglerstrasse 94 = Seglerstrasse 26 = heute Ul. Zeglarska 22) – Fernsprecher 8
  • Geschäftsfelder: Feinkostgeschäft, Liqueurfabrik, Kolonialwaren, Kaffees, Zigarren, Konserven, Weine, Feine Liqueure, Materialwarenhandel, Destillation, Ausschank, Kaffee-Großrösterei, täglich frisch geröstete veredelte Kaffees, auch Mitgesellschafter der Handelsgesellschaft Töpfer & Matthes (Wilhelm Töpfer, Pensau – neben Solec Kujawski)
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, Kujawische Magenessenz, Kosmos, Arrak, Cognac, Rum
  • Thorner Lebenstropfen: Prämierung mit goldenen Medaillen in Paris, Antwerpen, London & Graz
  • Inhaber: 1876 – ca. 1907 Carl Matthes (Kaufmann) & Mitglied der Johannis-Loge zum Bienenkorb, ca. 1907 – 1919 Curt Matthes
  • Weitere Photos: betrachten Sie hier weitere Bilder zur Likörfabrik Carl Matthes (Flaschen, Logos, Postkarten usw.)
Werbeanzeige der Firma Carl Matthes, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Carl Matthes, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Carl Matthes, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(17) Mendel & Pommer (ehemals Gebr. Casper) :

  • Geschäftsort: 1900 - 1919 in der Gerechtestrasse 15/17 – Fernsprecher 125
  • Geschäftsfelder: Kolonialwaren, Schankwirtschaft, Großdestillation
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure
  • Inhaber: Julius Mendel (Kaufmann) & Max Pommer (Kaufmann) – beide haben vorher bei den Gebr. Casper als Kaufmann gearbeitet

 

(18) F. A. Mogilowski:

  • Geschäftsort: 1898 – 1919 Culmerstrasse 9 Ecke Klosterstrasse (= heute Chelminska 11) – Fernsprecher 22 (Hotel du Nord)
  • Geschäftsfelder: Destillation, Vertreter der Brauerei E. Haase in Breslau, Fabrik feiner Tafelliköre, Specialität: „Kwas“ Alleiniger Erzeuger des aus frischen Früchten alkoholfreien erfrischenden Gesundheitsgetränkes
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure
  • Inhaber: Friedrich A. Mogilowski (Kaufmann)
AK Culmerstraße 9, Likörfabrik Mogilowski, ©Stephan Becker, Brüssow
AK Culmerstraße 9, Likörfabrik Mogilowski, ©Stephan Becker, Brüssow

(19) Meyer Radt:

  • Geschäftsort: ca. 1875 – ca. 1880 Culmerstrasse 306/307, ca. 1880 – 1884 Culmerstrasse 309/310, 1884 – ca. 1892 Culmerstrasse 305 & 340/341, ca. 1892 – ca. 1900 Culmerstrasse 11, 1900 – ca. 1905 Baderstrasse 1, ca. 1905 – ca. 1915 Baderstrasse 2, ca. 1915 – 1919 Baderstrasse 3 – eingetragen im Thorner Firmenregister 472
  • Geschäftsfelder: Destillation (nur 1880), Cigarren, Colonialwaren & Getreidehandel
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, feine Liqueure (nur ca. 1875 – ca. 1884)
  • Inhaber: Meyer Radt (Kaufmann)

 

(20) Wolf Sultan:

  • Geschäftsort: 1858 – 1922 Friedrich-Wilhelm-Strasse 451 (= Breite Strasse 451, = Breite Strasse 24 = heute Ul. Szeroka 24) – eingetragen im Thorner Firmenregister Nr.: 54 & 169 – Fernsprecher 151 / 1884 – 1922 Fabrik in der Spritstrasse 7 / Mauerstarsse 28 (Brennerei & Abfüllanlage)
  • Geschäftsfelder: Spritfabrik, Liköre, Großdestillation, Destillation, Kognakbrennerei Lagerhaus für importierte Traubenweine, vereidigter Lieferant von Gedenkweinen
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen, Rum, Qualitätsbrände, Cognac, Wodka 40%, Wodka 45%, feine Liqueure aller Art
  • Thorner Lebenstropfen: Auszeichnungen auf internationalen Ausstellungen in Melbourne, Graz, Königsberg, Auszeichnungen bei Industrieausstellungen Rom, 1926, Paris-Messe für Handel und Industrie, 11.1927 Garnd Prix & Goldmedaille
  • Inhaber der Firma in der Breitenstrasse: 1858 – ca. 1890 Wolf Sultan (Kaufmann), ca. 1890 - 1897 Wolf Sultan & Sohn Abraham gen. Adolf Sultan (Kaufmann), 1897 Handelsgesellschaft, 1897 – 1908 Abraham gen. Adolf Sultan, 1908 – 1922 Eugen Barnaß (Geschäftsführer), 1922 – ca. 1934 Waclaw Mackowiak
  • Inhaber der Fabrik in Thorn-Mocker: 1884 – ca. 1890 Wolf Sultan (Kaufmann), ca. 1890 – 1897 Wolf Sultan & Abraham gen. Adolf Sultan, 1897 – 1908 Abraham gen. Adolf Sultan, 1908 – 1919 Eugen Barnaß, 1919 – 12/1925 H. A. Winkelhausen aus Danzig, 1925 Verstaatlichung der Spirituosenindustrie (späteres Polmos)
  • Spezielles: Am 30.07.1897 stirbt Wolf Sultan in Dresden. 1906 wurde Abraham Sultan Mitglied im Aufsichtsrat des Vereins der Spiritusfabrikanten.
Johanna & Firmengründer Wolf Sultan, ©International Piano Archives, University of Maryland/USA.  Mit freundlicher Genehmigung von Moritz von Bredow.  Quelle: Moritz von Bredow: Rebellische Pianistin. Das Leben der Grete Sultan zwischen Berlin und New
  • Familiengeschichte: Seit 1816 lebte der Kaufmann Simon Wolf Sultan mit seiner Frau Liebke geb. Joseph in Gollub bei Thorn. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, unter anderem den Gründer der Likörfabrik Wolf Sultan, welche später in die W. Sultan & Co überging. Er wurde 1832 in Gollub geboren, absolvierte eine Kaufmannslehre, gründete 1858 die Likörfabrik und heirate im gleichen Jahr seine Jugendfreundin Johanna Barnass. Im Jahre 1860 kaufte er das Haus in der Breitenstraße 24 und zog nach Thorn. Das Ehepaar hatte sieben Kinder (Louis, Elise *1859, Abraham gen. Adolf *1861 in Gollub, Laura *1862 in Thorn, Gertrud, Georg *1865 in Thorn & Curt *1872 in Thorn). Georg und Curt wurden bekannte Chirurgen (Georg Sultan war der Gründer des Krankenhauses Neukölln). Der 1861 geborene Sohn Abraham benannte sich nach seinem Abitur in Adolf um, begann eine kaufmännische Ausbildung bei seinem Vater und stieg anschließend mit in die Likörfabrik ein, welche er 1897 nach dem Tode des Vaters ganz übernahm. Im Februar 1889 heiratete er Margarete Mirjam Victorius, mit der er drei Kinder hatte (Anna Frieda 11/1889-1899, Clara Paula *1891 & Herbert Siegfried *1894). Aufgrund einer Erkrankung seiner Frau verkaufte Adolf 1901 das Haus in der Breitenstraße 25 und zog mit seiner Familie nach Berlin in die Rankestraße 33. Er regelte die Geschäfte der Likörfabrik nun von Berlin aus und übergab die Geschäftsführung im Jahre 1908 an seinen Cousin Eugen Barnass ab. Dieser leitete die Firma Sultan bis zum endgültigen Verkauf im Jahre 1919. Im Jahre 1912 wurde zusätzlich noch Adolf`s Onkel, Isidor Barnass Mitinhaber der Fabrik.
  • Wolf & Johanna Sultan waren die Großeltern, bzw. Adolf & Coba Sultan waren die Eltern der bedeutende Pianistin Grete Sultan (mehr dazu siehe auch hier!).
  • Weitere Photos: betrachten Sie hier weitere Bilder zur Likörfabrik Wolf Sultan (Flaschen, Logos, Postkarten usw.)
Werbeanzeige der Firma Sultan, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Werbeanzeige der Firma Sultan, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

(21) Wilhelm Tietzen:

  • Geschäftsort: 1821 – 01.12.1835 „im Türken“, Altstädter Markt 151 (= Altstädtischer Markt 5 = heute Rynek Staromiejski 5 / 01.12.1835 – 1837 „im goldenen Adler“, Altstädter Markt 434 (Altstädtischer Markt 32 = heute Rynek Staromiejski 34)
  • Geschäftsfelder: Handlung für Materialwaren, Farbwaren, Wein, Branntwein, Tabak, Feinkost, Chocolade, Destillationsanstalt und Liqueurfabrik
  • Liköre: Thorner Lebenstropfen seit 1826, extra feine Weinliqueure, doppelte Branntweine, französische Liqueure, Breslauer & Danziger Liqueure, Bitterliqueure, Berliner Luft, Persico, Crambambuli, Goldwasser, Kurfürsten, Luftwasser, Essenzen, Korn, Jamaika-Rum
  • Thorner Lebenstropfen: 1827 kostete eine Flasche von 2/3 Stof Inhalt (= 0,763L) 15 Silbergroschen (ein Arbeiter verdiente pro Tag bei 12 Stunden Arbeit ca. 13 Silbergroschen) / 1828 – 1831 kostete eine (charaktischeristische) viereckige Flasche mit ½ Quart Inhalt (= 0,573L) 12 Silbergroschen / 1835 kostete die Flasche 10 Silbergroschen
  • Gutachten: Veröffentlichung eines Gutachtens von dem berühmten Buchautor, Königlich Preußischem Rath und Professor Dr. Hermbstaedt vom 12.02.1829 zur besonderen Qualität der Getränke von Wilhelm Tietzen:                                                                                      „Auf Antrag des Herrn Wilhelm Tietzen zu Thorn, sind die von demselben fabrizirten und mir zur Prüfung und Beurtheilung eingesendeten Liquere und Branntweine einer genauen Untersuchung unterworfen worden, sowohl rücksichtlich der dazu adhibirten Ingredienzien, als der Qualität der Liquere und Branntweine selbst. In Hinsicht der Ingredienzien hat sich ergeben, daß solche sämmtlich in der Gesundheit heilsamen durchaus unschädlichen Vegetabilien bestehen. Was die Liquere und Branntweine betrifft, so zeichnen sich solche durch Reinheit im Geruch und Geschmack zu ihrem Vortheil aus, dergestalt, daß dieselben allgemein empfohlen zu werden verdienen; welches hierdurch zu bezeugen ich nicht verfehle." Berlin, am 12. Februar 1829 (gez.) Doctor Hermbstaedt. Königl, Preuß. Geheimer Rath und Professor – Ritter mehrerer Orden                                                                                                                        Veröffentlichung zweier weiterer Gutachten von dem damaligen Kreis-Physikus Dr. Weese vom 01.06.1831 und 14.12.1835 zur besonderen Qualität der Getränke von Wilhelm Tietzen:                                                                                                                                                  „Gesundheits-Branntwein. Dieser, zur Erhaltung der Gesundheit und zur Abstumpfung der Empfänglichkeit für die Ansteckung bei etwa eintretender Cholera-Epidemie als zweckmäßig anerkannter Branntwein ist, um denselben gemeinnützig zu machen, für den so billigen Preis von 9 Sgr. das Quart, auch eine Essenz so in ein Quart beliebigen Wein oder Branntwein gegossen werden kann, für 3 Sgr. inclusive Flasche zu bekommen bei Wilhelm Tietzen in Thorn am Altstädter Markt im Türken. Auf Antrag des Kaufmann Herrn Wilhelm Tietzen hier, bescheinige ich, nach vorausgegangener Prüfung hiermit, daß sowohl die obgenannte Essenz, als auch der damit zubereitete Branntwein, rücksichtlich der dazu angewendete Ingredienzien, als ganz zweckmäßig allgemein empfohlen zu werden verdient." Thorn, den 1. Juni 1831. Dr. Weese, Königl. Kreis-Physikus                                                                                                           „Von den Herren Wilh. Tietzen & Comp sind mir Proben der von ihnen fabrizirten Branntweine und Liqueure zugefertigt worden, aus deren Prüfung sich ergeben hat, daß diese Fabrikate, sowohl die einfachen, als die zusammen gesetzten sich nicht nur durch Reinheit (Freiheit von Fuselöl) vortheilhaft auszeichnen, sondern auch durch zweckmäßige Auswahl der Ingredienzien und Vermeidung schädlicher Bestandtheile in der Zusammensetzung, den sanitätspolizeilichen Vorschriften entsprechen." Thorn, den 14ten Dezember 1835. Dr. Weese, Königl. Kreis Physikus
  • Nachfolger: Dammann & Kordes ab 1837

Sonstige Hersteller bis 1945:

  • Alrich Thorner Lebenstropfen, Alfred Richter, Brüssow U/M
  • Thorner Lebenstropfen von Robert Störmer, ev. Berlin
  • Thorner Lebenstropfen, Ludwig Mord, Fürstenwalde (Spree)
  • Thorner Lebenstropfen, Julius Ohnstein, Hamburg
  • Thorner Lebenstropfen, Conrad Burandt Nachfolger Inh. Paul Radler, Bromberg
Etikett Thorner Lebenstropfen, Likörfarbik Ludwig Mord, ©Stephan Becker, Brüssow

Etikett Thorner Lebenstropfen der Firma Ludwig Mord aus Fürstenwalde.

Etikett Thorner Lebenstropfen, Likörfarbik Conrad Burandt, ©Stephan Becker, Brüssow

Etikett Thorner Lebenstropfen der Firma Conard Burandt Nachf. aus Bromberg.

nach oben
Neuigkeiten