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Rittertropfen ausführliche Geschichte

Alrich Rittertropfen, ©Stephan Becker, Brüssow

Nachdem der Kaufmann Alfred Richter im Jahre 1903 seine Likörmanufaktur in Brüssow eröffnete und mit verschiedenen, selbst hergestellten Getränken großen Erfolg hatte, kreierte er wahrscheinlich zwischen 1910 und 1915 einen eigenen Magenlikör, den er zunächst nicht unter dem Namen Rittertropfen verkaufte.

Haus von Alfred Richter am Markt in Brüssow, ©Stephan Becker, Brüssow
Feuerwehrfest 1911, ©Stephan Becker, Brüssow

In seinem Sortiment befanden sich schon diverse andere Magenliköre, wie z.B. Halb & Halb, Klosterliköre usw., jedoch war es für ihn sehr wichtig, einen eigens zusammengestellten Magenlikör anzubieten. Diese Komposition zeichnete sich darin aus, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Magenlikören bzw. Magenbittern sehr komplex zusammengesetzt war und als große Besonderheit noch mit 1,2L Äther pro 100L Likör versehen wurde.

Die Zugabe von Äther hatte wohl den Grund, dass bei Magenschmerzen eine schnelle betäubende Wirkung eintreten sollte. Innerhalb kürzester Zeit fand dieses Getränk bei der Bevölkerung Brüssows und der umliegenden Ortschaften so großen Zuspruch, dass Alfred Richter schon anfangs die beachtliche Jahresanfangsproduktionsmenge von 1000L pro Jahr erreichte. Aufgrund des sehr großen Erfolges der Likörfabrik ließ er sich ab ungefähr 1920 von einer Werbefirma einen Markennamen und ein Logo kreieren und fortan wurde der Magenlikör unter dem Namen Alrich Rittertropfen verkauft. Im Zuge der Etablierung der Marke Alrich wurden auch neue Etiketten für die Rittertropfen für die Flaschengrößen 500ml und 700ml angefertigt.

Etikett Rittertropfen Vorderseite    Etikett Rittertropfen Rückseite

 

Beim Etikettenhersteller handelte es sich um die größte und berühmteste Etikettendruckerei, die Firma Illert aus Hanau, welche auch eigene Graphiker beschäftigte. Es kann auch gut möglich sein, dass es die Graphiker der Firma Illert bei der Marken- und Logokreation behilflich waren.

Bis 1929 wuchs die Likörfabrik stetig und so nahm es Alfred Richter zum Anlass und beantragte die Eintragung der Marke Alrich beim Reichspatentamt unter der Nummer 37591.

 

Patentanmeldung Alrich, ©Stephan Becker, Brüssow
Patentanmeldung Wappen, ©Stephan Becker, Brüssow
Anmeldung durch Patentanwalt, ©Stephan Becker, Brüssow

Im Jahre 1930 ließ er bei dem berühmten Lebensmittelchemiker und Buchautor Dr. Erich Walter in Berlin, Hagelbergstraße 1 ein Gutachten anfertigen, welches die besondere Qualität seiner Rittertropfen bestätigte. Dr. Erich Walter war Verfasser mehrerer Bücher zum Thema Lebensmitteltechnologie, wie z.B. Das Kriegsrezeptbuch für die Getränkeindustrie von 1915, Moderne Destillierkunst von 1919, Betriebspraktikum von 1921, Die moderne Fruchtsaftindustrie von 1941. Das von ihm erstellte Gutachten über die Alrich Rittertropfen können Sie hier lesen. Darin beschreibt er die lebensmitteltechnische Analyse des Getränkes und lobt die gute Qualität. Jedoch führt er Bedenken gegen die Verwendung des Äthers an. Teile des Gutachtens wurden auch zu Werbezwecken auf die Rückseitenetiketten der Rittertropfen gedruckt.

Rittertropfen in den Größen 0,7L & 0,5L,©Stephan Becker, Brüssow

Leider handelte es sich bei der Firma Alrich trotz des guten Umsatzes und eines sehr breiten Sortimentes nur um eine sehr kleine Firma, so dass diese nicht in der Lage war sich eigene Flaschentypen anfertigen zu lassen. Die verwendeten Flaschentypen waren allesamt Standardflaschentypen ohne eigene eingegossene Schrift, Logo oder Siegel.

Der für die Rittertropfen verwendete Flaschentyp war natürlich auch vielen anderen Typen sehr ähnlich (z.B. Kantorowicz Reiterlikör), aber Alfred Richter konnte sich eben wegen zu hoher Kosten keine eigenen Flaschen anfertigen lassen.

Alfred und Lonny Richter    Walter Richter    Walter und Hildegard Richter

Nachdem sein Sohn, Walter Richter, im Januar 1930 seine Ausbildung an der Destillateurfachschule Berlin beendet hatte, kam er nach Brüssow zurück und arbeitete dann zusammen mit seinem Vater.

Nachdem Alfred Richter 1936 in Rente ging, übernahm sein Sohn alle Geschäftszweige. Er konnte den Erfolg der Rittertropfen nochmals steigern. Diese wurden mittlerweile in Flaschenkästen à 30 Flaschen angeboten und in weiter entfernte Regionen verkauft. Zum Verbreitungsgebiet der Rittertropfen zählten der Großraum Stettin, der heutige Uecker-Randow-Kreis und die Uckermark. Walter Richter ließ am Brüssower Bahnhof eine Halle bauen, welche einen Gleisanschluss hatte. Von dort aus wurden die Rittertropfen in die genannten Regionen transportiert und verkauft.

Nachdem 1945 die Russische Armee immer näher rückte, floh Walter Richter mit seiner Familie nach Lübeck und wollte dort die Produktion seiner Likörfabrik wieder aufnehmen. Jedoch drängte ihn sein Vater dazu, wieder nach Brüssow zurückzukommen, da sein Haus nicht beschädigt wurde.

Nachdem er wieder zurückgekommen war, begann er wieder mit der Herstellung seiner Getränke. Nach einigen Wochen wurde es ihm aber untersagt weiterzumachen – der Russische Militärkommandant verbot ihm jegliche Herstellung von Likören. Er bekam Grundstoffe zur Verfügung gestellt und durfte dann nur noch für die Russische Kompanie Wodka brennen.

Die Rittertropfen stellte er das letzte Mal 1952 her.

Rittertropfen alt & neu, ©Stephan Becker, Brüssow

Aufgrund einer schweren Krankheit zogen Hildegard & Walter Richter im Jahre 1978 zu ihrer Tochter Doris nach Berlin. Nachdem es ihm wieder besser ging besorgte sich Walter Richter in den 1980-er Jahren nochmal alle für die Rittertropfen benötigten Kräuter und stellte zusammen mit seiner Tochter Doris zwei Flaschen her. In meiner Jugend erzählen meine Großeltern sehr viel über die damalige Zeit und über die ehemalige Likörfabrik. So gab es auch viele Geschichten über die Rittertropfen zu erzählen, wie zum Beispiel die, dass es in Brüssow einen Kriegsversehrten aus dem ersten Weltkrieg gab, der aufgrund eines Gewehrschusses den halben Magen verloren hatte und ständig über Magenbeschwerden klagte. Laut Aussage meines Großvaters konnte dieser Mann wohl nur mit den Rittertropfen ohne Magenbeschwerden leben. Im Nachhinein ist es anzunehmen, dass die betäubende Wirkung des zugesetzten Äthers in diesem Fall wohl eine positive Wirkung hatte.

Im Zuge der „Wiedereröffnung“ der Firma Alrich wurden die Alrich Rittertropfen natürlich wieder mit in das Sortiment mit aufgenommen. Jedoch verzichten wir heute auf die Zugabe von Äther, da dies gesundheitlich bedenklich ist und auch per Gesetz verboten ist.

Noch vor Eröffnung der neuen Firma Alrich Historische Liköre haben wir die Marke Alrich Rittertropfen wieder als Wort-Bild-Marke beim Deutschen Patentamt unter der Nummer 302009055671 schützen lassen.

Leider ist es auch für uns wegen der hohen Kosten nicht möglich, einen eigenen Flaschentyp anfertigen zu lassen, so dass wir die Rittertropfen in einem Standardflaschentyp anbieten müssen.

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