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Magenheil ausführliche Geschichte

Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow

Geschichte der Firma Gebr. Vitzius aus Köln – die Erfinder des Magenheil

Die Geschichte der Likörfabrik Vitzius in Köln ist eine spannende Reise durch die Wirtschaftsgeschichte des späten 19. Jahrhunderts. Alles begann im Juli 1879, als E. Micke sein Colonialwarengeschäft in Ruhrort in der Harmoniestraße 44 an die Gebrüder Vitzius verkaufte. Kurz darauf, im August 1879, wurde die Firma Gebr. Vitzius im Handelsregister Duisburg eingetragen, mit Anton Vitzius als Inhaber. 

Das Unternehmen war zunächst in Ruhrort ansässig und bot eine Vielzahl von Produkten an, darunter Kaffee, Tabak, Wein, Essig, Gewürze, Colonial-Waren, Lebensmittel, Petroleum, Öle, Samen, Haushaltswaren. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Sortiment deutlich. Ab 1880 war die Firma bekannt für den Verkauf von Likören, Spirituosen und speziellen Produkten wie Java-Kaffee. Die Brüder führen das Geschäft als Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft und im Dezember 1881 wurde Paul Hoffmann als Nachfolger des Lebensmittelgeschäfts der Gebrüder Vitzius erwähnt.

Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Im folgenden Jahr 1882 trafen die Brüder Vitzius Vorbereitungen zur Errichtung einer Destillerie und Likörfabrik, welche dann am 06.11.1882 in Köln in der Gereonstraße 2-6 eröffnet werden konnte. Im November 1882 erfolgte die Eintragung der Firma in Köln, mit Joseph Vitzius junior und Anton Vitzius als Inhabern. Die Firma wurde im Februar 1883 aufgelöst und neu gegründet, wobei Anton Vitzius die Leitung übernahm. 

Wahrscheinlich auch in dieser Zeit entwickelten sie die Rezeptur für den Magenheil, den sie später deutschlandweit vermarkteten.

Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Laut verschiedenen Anzeigen stiegen die beiden gleich groß ins Spirituosengeschäft eine. Sie boten eine sehr breite Palette von mindestens 60 verschiedenen unterschiedlichsten alkoholischen Getränken an, unter anderem alle Sorten feinster Tafelliköre, alle Sorten Punschessenzen, feinster Rotweinpunsch, Orange-, Vanille-, Ananas-, Sherry-, Punsch-, Royal-, Burgunder, Arac-, Rum-, Rum-Grog-, Arac-Grog-, Cognac-Grog-Punsch-Essenzen, Import von echtem Arac, Rum und französischem Cognac, Himbeersaft, -sirup und -gelee, Liköressenzen der Fa. Schimmel und als Besonderheiten drei verschiedene Magenliköre. 

Das waren die Getränke Lohengrin (fein aromatisch, süß, pikant vom Geschmack), 

Perle vom Rein (feinster Tafel-Liqueur, ähnlich Chartreuse, aber lieblicher) und der 

Magenheil (magenstärkender Kräuterbitter, appetitanregend und von durchaus vorteihafter Wirkung auf die Verdauungsorgane), wobei sich der Magenheil in der folgenden Zeit als Verkaufsschlager entwickelte. 

Die Firma Gebr. Vitzius pries das Getränk als unentbehrlich für jeden Haushalt an, als sicher und schnell bei Appetitlosigkeit, Unverdaulichkeit, Magen – und Unterleibsbeschwerden an und bekam auch allerlei positive Rückmeldungen von verschiedenen fachkundigen Ärzten und Heilkundigen.

Schon ein halbes Jahr später gab es in Köln und den umliegenden Städten und Ortschaften an die 100 Wiederverkäufer, in jedem Hotel und Restaurant konnte Magenheil getrunken werden. In manchen Zeitungsannoncen konnte sogar man lesen, dass es Vertretungen in jeder Stadt Deutschlands gab (was wahrscheinlich völlig übertrieben war).

Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

1884 wurde Anton Vitzius alleiniger Inhaber und die Firma hatte einen derart großen Erfolg bei der Vermarktung des Magenheil, dass sie im Januar 1884 die Produktion aller anderen Getränke einstellte um nur noch diesen herzustellen. Es gab einen großen Ausverkauf von ca. 30.000 Flaschen verschiedenster Getränke zu günstigen Preisen, welcher sich noch bis 1887 hinzog obwohl sogar Freihauslieferungen angeboten wurden. 

 

Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

In den Jahren 1884 bis 1888 gab es zahlreiche Umfirmierungen, Zweitgründungen, Namenswechsel und Neuaufnahmen von Verwandten in die Firma und schließlich die Geschäftsübertragung bzw. den Verkauf der Destilliere und Liqeurfabrik, des Ladengeschäftes verbunden mit Colonialwaaren, Südfrüchte und Coservenhandlung der mittlerweile heißenden Firma Jean Vitzius & Co an den Kaufmann Reinhold Schmutzler im September 1888.

Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Gebr. Vitzius, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Am 11.12.1888 gründen Anton und Johann Joseph Vitzius die Firmen Gebr. Vitzius - Likörfabrik & Weinhandlung sowie die Rheinische Union-Cognac-Fabrik Jean Vitzius & Cie in der Antwerpener Straße 15 in Köln, welche anscheinend auch noch Magenheil in kleinen Mengen herstellte und verkaufte. Die Rheinische Union-Cognac-Fabrik zog 1890 in die Antwerpener Straße 12 um und 1893 in einen eigenen Neubau die Lindenstraße 75.

Nach 1900 existierten noch die Firmen Rheinische Union-Cognac-Fabrik Jean Vitzius & Cie, Antwerpener Straße 12, Köln, Inhaber Georg Schulte, sowie die Rheinische Wein-Cognac-Brennerei Johann Joseph Vitzius & Cie, Inhaber Johann Joseph Vitzius in Köln & Joseph Vitzius, Lindenstraße 75. 

 

 

 

 

Geschichte der Firma Reinhold Schmutzler:

Die Geschichte der Firma Reinhold Schmutzler ist geprägt von unternehmerischem Mut, Innovationen im Bereich der Spirituosen und Kräuterliköre sowie mehreren Höhen und Tiefen. Sie beginnt im späten 19. Jahrhundert und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, wobei die Firma immer wieder neue Produkte, Patente und Auszeichnungen hervorbrachte.

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Reinhold Schmutzler war damals Kaufmann und begann seine unternehmerische Tätigkeit in Bochum. Am 18.04.1879 gründet Schmutzler in Bochum einen Lebensmittel- und Kolonialwarenladen, welcher unter der Handelsregisternummer 619 in Bochum eingetragen wurde und nur mit mäßigem Erfolg betrieben wurde, da nur Wenige Monate später, am 6. November 1879, wurde das Konkursverfahren über die Firma Reinhold Schmutzler vor dem Amtsgericht Gelsenkirchen eröffne wurde, was auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeutete. Der Konkursverwalter war der Kaufmann Karl Fasch. Am 26. Januar 1880 wurde in der Emscher Zeitung die Eröffnung des Konkursverfahrens erneut bekanntgegeben und am 21. Februar 1880 wurde im Rahmen des Verfahrens die Annahme eines Zwangsvergleichs vermeldet.

Am 12. März 1884 meldeten Reinhold Schmutzler und seine Frau die Geburt ihrer Tochter an. 

Trotz dieser Rückschläge setzte Schmutzler seine unternehmerischen Aktivitäten fort und gründete am 1.01.1885 zusammen mit seinem Geschäftspartner Werner Thedieck nochmals ein Geschäft in Gelsenkirchen die Firma Reinhold Schmutzler & Co in Gelsenkirchen (Nr. 53 im GmbH-Register).

Am 12. August 1887 wurde die Firma Reinhold Schmutzler mit der Nummer 47 im Handelsregister zu Gelsenkirchen gelöscht, doch bereits am 18. September 1888 erfolgte eine Neugründung mit dem alleinigen Inhaber Werner Thedieck unter dem Namen Fa. Reinhold Schmutzler & Co (Nr. 184 des Handelsregisters), aber auch Werner Thedieck hatte wohl auch nicht viel Glück mit seinem Geschäft, so dass er dieses am 05.02.1889 schließen musste.

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Der September 1888 sollte das Leben von Reinhold Schmutzler vollständig verändern und alle bis dahin aufgetretenen unternehmerischen Schwierigkeiten Vergangenheit sein lassen, denn für Ihn begann der geschäftliche Erfolg mit dem Kauf der Likörfabrik Vitzius und dem Verkauf des Magenheil.

 

Er übernahm die Destillations- und Likörfabrik, das Ladengeschäft mit Colonialwaren, Südfrüchten und Konserven von Jean Vitzius & Co in Köln in der Gereonstraße 2-6 und konnte sofort an die großen Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen.

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Im September 1888 erfolgten Anzeigen über die Geschäftsübertragung in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, sowie Adressbüchern: Die Destillations- und Likörfabrik, das Ladengeschäft mit Colonialwaren, Südfrüchten und Konservenhandel, bekannt als Jean Vitzius & Co, wurde an den Kaufmann Reinhold Schmutzler übertragen. Angeboten wurden Liköre und Punsche en gros und en detail, ausländische Weine, Spirituosen aller Art, englische, französische, deutsche und amerikanische Conserven und Praeserven, echter chinesischer Thee, Havanna-Cigarren, Bremer- und Hamburger Cigarren und Tabake, Dampfcaffee nach Bonner und Wiener Methode, Colonialwaren, Südfrüchte, Biscuits von Huntley & Palmers aus London, conservierte Früchte, Olivenöl und Liller Baumöl, alle Sorten Käse, westfälischer Schinken, Gothaer Cervelat- und Mettwürste, italienische Maccaroni-, Gemüse- und Suppennudeln, alle Sorten Zucker, holländische und französische Chocoladen und Cacao.

Schmutzlers Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow
Schmutzlers Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow
Schmutzlers Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow

Im selben Monat begann Schmutzler, seine Produkte, insbesondere seine Spezialität das Getränk „Echter Magenheil“ zu bewerben. Dieser wurde als echter Kräuter-Likör aus über 30 Kräutern und Gewürzen beschrieben, der magenstärkend, appetitanregend und verdauungsfördernd sei, frei von schädlichen Substanzen und künstlichen Bitterstoffen. Das Getränk wurde sogar von Ärzten und medizinischen Fachleuten empfohlen.

Die Flaschenpreise lagen bei 2,20 Mark für 1 Liter, 1,15 Mark für ½ Liter und 0,65 Mark für ¼ Liter, mit Rabatten für Wiederverkäufer. Weitere Anzeigen im September 1888 bewarben feinste Tafel-Liköre, Spirituosen wie Anisette, Vanille, Pfeffermünz, Ingwer, Curacao, Jamaika-Rum, Batavia-Arrack sowie französische Cognacs, zu Preisen zwischen 1,10 und 1,50 Mark pro Flasche. Zudem wurden medizinische Weine wie Tokayer, 1a Himbeer-Syrup, medizinischem Tokayer, Madeira, Sherry und Portwein angeboten. 

Am 05.02.1889 wurde die Firma Reinhold Schmutzler & Co zu Gelsenkirchen (HRB 184) durch seinen ehemaligen Geschäftspartner geschlossen und im Handelsregister gelöscht, weil die Geschäftslage dort anscheinend nicht so gut war. Schmutzler hingegen hatte in Köln sehr großen Erfolg mit seiner Likörfabrik und wurde auf verschiedenen Messen und Ausstellungen mit Auszeichnungen geehrt.

1890 wurde sein Magenheil-Likör mit einem Ehrendiplom (höchste Auszeichnung) auf der Ausstellung für Kriegskunst und Landwirtschaft ausgezeichnet, und eine weitere goldene Medaille auf der Allgemeinen Ausstellung für Arbeiter-Wettstreit und Industrieausstellung in Köln und 1895 eine silberne Medaille bei einer Kochkunst-Ausstellung in Bochum. In den Jahren zwischen 1890 und 1900 wurde Schmutzler`s Magenheil mit 7 Medaillen ausgezeichnet und wurde in Anzeigen beworben, wobei die Medaillen als Beweis für die Qualität dienten.

Es erschienen Werbeanzeigen in vielen Tageszeitungen innerhalb des Großraums von Köln, unter anderem auch detaillierte Beschreibungen, wie z.B. diese:

 

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Am 30. Dezember 1893 gründete Schmutzler an einem neuen Standort in der Eifelstraße 70 die Schmutzler & Cie GmbH (HRB 3652) mit einem Kapital von 26.000 Reichsmark und stellte den Geschäftsführer wurde Fritz Huppers aus Köln ein. Der alleinige Zweck dieser Neugründung war es  dort den Likör Magenheil herzustellen. 

 

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Er meldete zwischen 1896 und 1900 für seine Produkte zahlreiche Patente an, darunter Wortmarken wie „Magenheil“, „Magenseil“, „Magenseiler“, „Magenheiliger“, „Magenheil-Likör“, „Magenheilbitter-Likör“, „Salus Stomachi – suprema lex esto“, „Schmutzlers Magenheil“ und Bildmarken „Hygia Colonia“ und das Bild einer Nonne, sowie zahlreiche Etikettenmuster.

Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Anzeige der Fa. Reinhold Schmutzler, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin

Seine Produkte wurden in weiten Teilen Deutschlands beworben, und die Firma war auch auf verschiedenen Ausstellungen vertreten.

Am 13.03.1900 wurde das Stammkapital von 250.000 RM erhöht, welches für zehn Jahre festgelegt wurde und auch ein neuer Standort wurde gesucht. Ab Mai 1902 fanden sich neue Geschäftsräume in der Barthelstraße 30 in Köln Ehrenfeld und als weiterer Geschäftsführer kam Philipp Wilhelm Schmidt und als Prokurist Balthasar Neunzig hinzu. 1904 erfolge ein weiterer Umzug in die Barthelstraße 38.

Das Unternehmen war weiterhin aktiv in der Werbung für „Magenheil“ und präsentierte seine Produkte auf verschiedenen Ausstellungen, darunter die Rothen Kreuz Ausstellung in Aachen im Jahr 1900, wo 5000 Probefläschchen verteilt wurden. Zudem wurde der Kräuter-Extrakt-Likör auch dem ostasiatischen Expeditions-Korps geschenkt, was die internationale Bedeutung des Produkts unterstrich. 

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) brachte erhebliche Herausforderungen für die Firma mit sich. Rohstoffknappheit, wirtschaftliche Unsicherheiten und Einschränkungen im Handel führten zu Rückgängen in der Produktion und im Absatz. Dennoch gelang es Schmutzler, die Marke durch gezielte Werbung und die Anpassung des Sortiments zu erhalten.

Trotz dieser Aktivitäten wurde am 21.06.1918 wieder das Insolvenzverfahren über die Firma eröffnet und der Inhaber Reinhold Schmutzler zum Insolvenzverwalter bestellt. Diesmal konnte die Insolvenz jedoch kurzzeitig überwunden werden und die Geschäfte in der Barthelstraße 38 wieder aufgenommen werden. Obwohl über das Geburtsjahr von Reinhold Schmutzler nichts bekannt ist, ist anzunehmen, dass er wahrscheinlich um 1919 das ungefähre Alter von 60 Jahren erreicht haben müsste. Nach Überwindung der Insolvenz verkaufte Schmutzler seine Likörfabrik an Peter & Wilhelmine Sterck, welche den Geschäftssitz anfangs in die Agrippastraße 30 und ab 1920 in die Friedrichstraße 5-7 verlegten.

In den folgenden Jahren wurden weiterhin regelmäßig Anzeigen geschaltet, um die Bekanntheit des Magenheil zu steigern, und das Unternehmen erweiterte sein Markenportfolio durch weitere Patentanmeldungen für Salus Kräuterwein, Eierlikör, Curacao, Blaufunken, Silberfunken und Goldfunken. Er führte weitere Spezialitäten ein, z. B. Jan van Deift, Rakko (Kräuter-Doppelkorn), Steinhäger, 1a Liköre, doppelte Dessertliköre und verkaufte auch Spirituosen von anderen Herstellern, wie z. B. Gilka Berlin, Underberg Boonekamp.  Im Jahr 1924 wurde sogar ein Wettbewerb zur Kreation eines neuen Likörs ausgerufen.

Ab 1925 trat Richard Erdlenbruch als persönlich haftender Gesellschafter in die Firma ein. Doch auch diese Phase war von Herausforderungen geprägt. Im Dezember 1926 wurde erneut ein Insolvenzverfahren eröffnet, wobei Willy Schmutzler als Liquidator eingesetzt wurde. Schließlich wurde die Firma ab 1930 unter dem Namen „Likör-Schmutzler-Gesellschaft GmbH“ mit den Geschäftsführern Wilhelmine Sterck geb. Müller und August Erdlenbruch aus Hilden weitergeführt und im September 1934 wurde die ursprüngliche Firma offiziell gelöscht.

Die Likör-Schmutzler-Gesellschaft GmbH existierte noch bis 1967 als Likörfabrik und Weinhandlung in der Friedrichstraße 5-7 und wurde dann wahrscheinlich mit dem Eintritt der Geschäftsführer ins Rentenalter geschlossen. 

 

 

 

 

Geschichte der Firma Carl Friedrich Pohl:

Die Firma C. F. Pohl wurde als Essigsiederei 1797 gegründet und befand sich in Schweinfurt in der Zehntstraße 258 (später Zehntstraße 8). Der Firmengründer und Namensgeber Carl Friedrich Pohl führte die Firma als Weinessig und Essigfabrik bis zu seinem Tode - er starb zwischen 1866 und 1874 und hinterließ seine Frau Elisabeth, welche später Am oberen Marienbach 13 wohnte. 

Pohls Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow

Laut Adressbuch vom 1875 (1879/1890) wurde die Essigfabrik anschließend von Franz Anton Fischer und seiner Frau Dorothea als Essig- und Spirituosenfabrik unter dem Namen C. F. Pohl weitergeführt. Es wurden also auch Liköre und andere Spirituosen mit in das Firmenportfolio aufgenommen - im Jahre 1890 wird sie zusätzlich als Spirituosenhandlung geführt. 

Nach 1905 werden auch Limonaden & Limonaden-Sirupe hergestellt und unter dem Namen „Pohl`s Antialkohol“ angeboten. Dafür wurde beim Reichspatentamt am 29.06.1906 extra ein Patentschutz eingetragen.

Außerdem wird die Firma Pohl königlich sächsischer Hoflieferant beliefert den sächsischen Königshof unter anderem mit Magenheil.

Wahrscheinlich im Jahre 1898 wird der Kaufmann Heinrich Dechert Geschäftsführer der Firma C. F. Pohl, wobei Franz Anton Fischer und seine Frau noch Besitzer oder Anteilseigner sind. Das Geschäft wird um eine Weinhandlung vergrößert und 1905 werden die Brüder Nikolaus und Karl Schirmer neue Geschäftsführer, welche die Essig- und Likörfabrik in eine GmbH umwandeln, die aber schon am 28.06.1910 wieder aufgelöst wird. 

Pohls Kräuterlikör, ©Stephan Becker, Brüssow

Ab dem 30.06.1910 wird die Firma als C. F. Pohl OHG von den Brüdern Schirmer und der ehemaligen Fabrikationsgattin Frau Kommerzienrat Elisabeth Fischer als Likör- und Essigfabrik weitergeführt. Nachdem Frau Fischer am 10.06.1915 ausgeschieden ist befindet sich die Firma nun vollständig im Besitz der Familie Schirmer.

Nach 1915 gab es folgende Veränderungen:

  • nachdem Nikolaus Schirmer im Jahre 1916 verstorben ist übernehmen Karl und Rudolf Schirmer die Firma

  • 1920 wird Friedrich Schirmer mit aufgenommen. Die Firma trägt fortan den Namen C. F. Pohl – Weinessig- und Likörfabrik & Essig-Essenz-Großhandlung und verkauft auch im Großhandelsbereich Spirituosen, Punsch- und Essigessenzen.

  • ab 1935 werden zusätzlich noch Gurkenkonserven hergestellt und angeboten.

  • 1938 wird das Premiumprodukt Magenheil umbenannt in Pohl`s Magenlikör

  • 1950 Karl & Friedrich Schirmer als Inhaber und Robert & Werner Schirmer als Prokuristen

  • 1957 Karl, Friedrich, Werner und Robert Schirmer als Inhaber 

  • 1960 Umbenennung von Pohl`s Magenlikör in Pohl`s Magenwohl

  • 1963 Robert & Werner Schirmer als Inhaber

  • 1966 wird das Haus in der Zehntstraße 8 abgerissen und die Firma zieht um in die Apostelgasse 11-13

  • 1969 Verkauf der Likörfabrik durch Werner & Robert Schirmer an die Firma Kühne in Sennfeld

Mit dem Verkauf der Likörfabrik endete auch die Herstellung des Magenheil / Pohl`s Magenlikör / Pohl`s Magenwohl. 

 

 

 

 

Weitere Hersteller von Magenheil (auch Magenheil Lebensmittel und Arzneimittel):

  • Magenheil Tee von Professor Mayer, Wien (1887/1889)

  • Kaiser Husten-Magenheil Patillen von Maria Benno von Donat (1888)

  • Magenheil Pastillen von Heinrich Senf, Köln (1889)

  • Magenheil von Bernhard Plesse, Geestemünde (1889/1917)

Plesse´s Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow
Plesse´s Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow
  • Antoni Ravittes Magenheil-Likör, Nollendorfstraße 33, Berlin (1893)

  • Magenheil von Carl Schneider, Riesa (1893)

  • Magenheil von Emil Tittel, Eibenstock (1893)

  • Magenheil von Alexander Wittig, Groß-Wartenberg (1893)

  • Magenheil von Alfred Kreemer, Lußlinitz (1893)

  • Magenheil von Emil Beck, Hohenstein-Ernsttal bei Zwickau (1893)

  • Magenheil von G. L. Friedrich vorm. Gebr. Nägler, Frankenberg (1893)

 

Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
  • Magenheil von Götze, Lichtenstein (1893)

  • Magenheil  Feines Schwarzbrot von Fritz Trompeter, Köln (1894)

  • Jägerbitter genannt Magenheil von Gerhard Kamp, Crefeld (1894)

  • Welke`s Magenheiler von G. Welke Berlin (1894/1907)

  • Magenheil = echter Arber-Kräuterlikör von Josef Schalom, Weipernitz bei Pilsen, Böhmen (1895)

  • Tyroler Seppls Magenheil ev. Seppl Strachitta (1897)

Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Tyroler Sepp`s Magenheil, ©Stephan Becker, Brüssow
  • Magenheil von Edmond Müller, Direktor bei Cointreau Luxemburg (1900)

  • Magenheil von der Drogerie Eugen Oswald (eventuell Pastillen) (1902)

  • Prey`s Magenheil von Hermann Emil Prey, Stargard in Pommern (1902)

  • Tatterich Magenheil der Marke Bär von G. Baumann in Hornberg, Baden gegr. 1846 (1903)

  • Grütters Magenheil von Frau Fakior Schiefer, Hannover (1905)

  • Magenheil Magenpulverpulver von Eugen Oswald, Köln (1907)

  • Rütter`s Magenheil von Hugo Rütter, Krefeld (1907)

  • Knape & Würck`s, Leipzig Magenheil Bonbons oder Schokolade (1907)

  • Magenheil (Schutzmarke Zwillinge) von Christian Voigt & R. Uhlmann, Lößnitz (1907)

  • Magenheil von Reinhold Döpel, Köln (1907/1939)

 

Döpels Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Döpels Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
  • Magenheil Pastillen aus der Merkur-Drogerie, Reustäbtel, Ostsachsen (1908)

  • Cerea Nerven- und Magenheil Schnitten zum Essen, Karlsruhe (1911)

  • Jägers Magenheil, Bielefeld (1911/1912)

  • Gecks Magenheil, (Solingen (1912)

  • Wittenborgs Magenheil von Karl Wittelborg, Herford (1913)

  • St. Anna Magenheil aus der Drogerie (eventuell Patillen) von Dr. A Clever, Köln (1914)

  • Magenheil von Ludwig Herrmann, Bielefeld (1915)

  • Magenheil von Pastor E. Weiß Magenheil & Co, Cleveland USA (1919)

  • Dorns Magenheil Kräuterkur, Itoga Versand Stuttgart (1921)

  • Rahnkes`s Magenheil von Wilhelm Rahnke, Hamburg (1921) 

  • Magenheil von Rudolf Laue, Köln (1925)

  • Wittenborger Magenheil Likör, Beckum (1927)

  • Magüttken Magenheil - ärztlich empfohlen und gesetzlich geschützt, Münster, Westfalen, Beckum, Verl (1929/1937)

  • Krämer Magenheil, Witten (1930)

  • Rocholt Magenheil, Witten (1930)

  • Helios Magenheil (1935)

  • Richters Magenheil, Lambertushöhe, Hohenstein-Ernsttal (1935)

  • OKO Magenheil ?

Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
Magenheil, ©Privatsammlung Kurt Müller, Berlin
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